
- Occasions-Experte Philippe Challandes (30) ist dipl. Automobildiagnostiker und technischer Kaufmann. Er hat eine solide Praxiserfahrung und arbeitet für auto.ricardo.ch.
Noch nie war der Markt für Auto-Occasionen so transparent und attraktiv wie heute – dem Internet sei Dank. Doch auf die gute alte Probefahrt kann auch im Internetzeitalter niemand verzichten, wenn man sich ein Auto kaufen möchte. Hier erfahren Sie, worauf Sie als Laie bei der Probefahrt achten sollten.
Das ganze Spektrum an Gebrauchtwagen findet der Käufer beispielsweise auf auto.ricardo.ch: Vorführwagen und Occasionen vom Markenvertreter, junge Leasingrückläufer, gepflegte Gebrauchtwagen aus privater Hand aber auch günstige Autos, die aufgrund des MFK-Zyklus noch einige Zeit verkehrstauglich sind. Gerade in der letzten Kategorie finden sich immer wieder einmalige Schnäppchen – doch es ist auch etwas Vorsicht geboten.
Nie ohne Probefahrt!
Occasions-Experte Philippe Challandes kennt die Risiken beim Kauf eines Gebrauchtwagens. Sein wichtigster Tipp: «Machen Sie vor dem Kauf auf jeden Fall eine Probefahrt!» Ebenfalls möglich sei es, auf der Probefahrt einen kurzen Zwischenstopp bei einem eingeweihten Garagisten zu machen: «Es dauert nur ein paar Minuten, den Wagen auf den Lift zu stellen und vom Fachmann auch von unten kontrollieren zu lassen, zum Beispiel hinsichtlich Ölverlust, Löchern im Auspuff und Zustand der Radlager.»
Doch auch als Laie können Sie viele Risiken ausschliessen, wenn Sie wissen, worauf Sie bei der Probefahrt achten müssen. Die 12 wichtigsten Tipps von Philippe Challandes:
- Serviceheft und Abgasdokument:
Sind beide vorhanden und richtig ausgefüllt? Nehmen Sie sich genügend Zeit fürs Studium. Wichtig: Kilometerstand von Tacho, Serviceheft und Abgasdokument sollten in etwa übereinstimmen. Wenn nicht: Hände weg! - Stehen grosse Arbeiten an?
Im Serviceheft (meist im vorderen Teil) kontrollieren, ob grössere Wartungsarbeiten anstehen, zum Beispiel ein Austausch des Zahnriemens oder ein grosser Service. Denn das bedeutet erhebliche Zusatzkosten. - Motorfahrzeugkontrolle (MFK):
Prüfen Sie im Fahrzeugausweis, wann der Wagen zuletzt vorgeführt wurde. Informieren Sie sich, ob der Wagen nach der Handänderung frisch vorgeführt werden muss bzw. wann die nächste MFK ansteht (Vorschriften sind kantonal geregelt, genaue Informationen finden Sie auf der Homepage des Strassenverkehrsamts Ihres Wohnkantons). - Vor der Probefahrt:
Motorhaube auf und den Ausgleichsbehälter für die Motorkühlflüssigkeit öffnen (nur bei kaltem Motor!). Ist die Flüssigkeit blau oder rot, ist alles in Ordnung. Wenn sie jedoch ölig, dunkel oder fast schwarz ist, deutet das auf einen Motorschaden hin. Die Probefahrt erübrigt sich. - Sauberkeit und Lackierung:
Ein seriöser Verkäufer – ob privat oder Händler – präsentiert das Fahrzeug in sauberem Zustand, innen und aussen. Nur so sind auch kleinere Schäden sichtbar. Die Lackierung lässt sich am besten bei Sonnenschein kontrollieren, indem man sie aus verschiedenen Blickwinkeln begutachtet. Auch das Fahrzeuginnere nach Beschädigungen absuchen und einem kleinen Schnüffeltest unterziehen: Riecht es nach Rauch oder nach Hund? - Kalter Motor:
Der Motor des Occasionsautos sollte vor der Probefahrt kalt sein. Nach dem Anlassen auf ungewöhnliche Geräusche achten, die verschwinden, sobald der Motor warm ist. - Geräusche:
Während der ganzen Probefahrt gut hinhören. Knackt oder knarzt es irgendwo, vor allem bei Unebenheiten oder beim Einlenken? - Fahrgefühl und Temperatur:
Läuft das Auto schön rund? Steht die Nadel der Wassertemperatur-Anzeige am richtigen Ort? Und kommt bei warmem Motor heisse Luft aus den Düsen, wenn Sie die Heizung voll aufdrehen? - Klimaanlage:
Die Air-Condition (AC) einschalten und voll aufdrehen. Aus den Düsen muss sehr kalte Luft austreten. Achtung: Dieser Test funktioniert im Winter nicht. - Reifen:
Sind sie normal abgefahren, ist also die Lauffläche gleichmässig abgenutzt? Mit einem kleinen Profiltiefenmesser von der Tankstelle lässt sich im Zweifelsfall feststellen, ob noch genug Profil drauf ist (gesetzliches Minimum: 1,6 mm. Bei Winterreifen empfiehlt der Fachmann aber mindestens 4 mm). - Ölmessstab:
Nach der Probefahrt, also bei warmem Motor, den Ölmessstab rausziehen (Papiertaschentuch zur Hand nehmen!) und folgende zwei Punkte kontrollieren: Stimmt die Öl-Menge? Befindet sich «graue Schmiere» (erinnert an Vanilleglacé) am Ölmessstab? Wenn ja: Motorschaden, also Hände weg! - Auspuffgase:
Bei stehendem Fahrzeug und laufendem Motor ein paar mal kurz stark Gas geben und beobachten, ob dabei am Auspuff blaue oder weisse Abgase sichtbar werden. Wenn ja, deutet dies ebenfalls auf einen Motorschaden hin und Sie sollten auf den Kauf verzichten.
